Mittwoch, 12. April 2017

Jammern auf hohem Niveau

Im Herbst erscheint mein neuer Roman mit dem Titel: Jammern auf hohem Niveau. Es ist ein Barhocker-Oratorium und ich bin gerade dabei, die letzten Korrekturen zu machen, also noch einmal durch den Text zu gehen.
Das ist kein Jammer, das macht Spaß. Wie die Wolpertinger - Kuhu, Löwels, Mangoldhamster - erscheint auch Jammern auf hohem Niveau bei Sonderzahl.
Das freut mich. Grund zur Freude ist auch, dass Matthias Schmidt für Satz und Buchgestaltung verantwortlich zeichnet. Matthias Schmidt ist u.a. Literaturzeitschriften-Kollege und gibt Triëdere heraus: http://www.triedere.com/ 

Mittwoch, 5. April 2017

Keppelallianz

Elch-Alarm! Elche aus der Gesellschaft ausgebrochen. Elche rotten sich zusammen. Elche organisieren sich. Elche vermaschinieren. Elche planen einen Aufstand. Elche wollen sich vermutlich auf die Bühne heben, die ihnen gebührt. Wie konnte es zu dieser Elchverhebebühnung kommen? Alle wurden doch geherzt, geduzt, gestreichelt. Alle, Elch und du. Alle waren gesundheitsversichert und integriert: Elch und du. Allen standen alle Wege offen: Elchen, Tieren, dir und mir. Aber dann: der Elchtest, der Dieselmotorenskandal und „We can leave a little bit of the environment“-Trump. Welches little bit denn bitte? Die Sandstraße? Das Blaue des Himmels? Die verfickte Sonne? Einreiseverbot für die Sonne? A wall against the sun? Elche? Eine Elchmauer? Sie rückt ja eh schon näher die Mauer. Aber wie kommst du denn auf Elche? Das sind doch im Grunde bloß dienstlose Aussichtsplattformen, die sich hier unterhalten, die gerne Strelitzien wären. Da zwitschern sich doch Paradiesvogelblumen zu, weil sie auf den Bus in die Stadt warten, der hier halt wirklich sehr selten vorbei kommt. Und die eine, die arg im Nacken Geknickte sagt: „Ich war doch gar nicht so garstig.“ Aber alle sind sich einig und keppeln auf sie ein: „Wir sind größer, schöner, eleganter!“ Mein Gott, hätte ich einen solchen Hals, ich trüge meinen Kopf auch hoch. Eine Mischung aus Elch und Giraffe müsste man halt sein: Giraffelch. Das wär's! Klar, reckte ich mich. Aber ich will mich nicht aufregen. Alles bloß keine Erelchung. Also Elch-Alarmentwarnung! Echt?
Rohrköhlauer # 9, am 30. März 2017

Dienstag, 21. März 2017

Türsturz

Publikum ist eine Pest. Publikum findet heutzutage ja überall hin. Eine wirklich hermetische Veranstaltung abzuhalten, ist mittlerweile eine Kunst. Denn man kann sich vor Leuten, die einem zuhören, einen sehen und verstehen wollen wirklich kaum mehr erwehren. Eintritt und Helmpflicht sind längst keine Lösung mehr, denn Publikum ist begütert und demütigungsbereit. Wer unbesetzte Sessel will, muss bauliche Maßnahmen setzen. Es müssen Rigipswände hochgezogen und Türen gestürzt werden, um endlich wieder unter sich und säulesgleichen weilen zu können.

Rohrköhlauer # 8, am 14. März 2017

Freitag, 10. März 2017

Intimrasur

Schon interessant, was einen immer so beschäftigt. Da summt man innerlich „This is the road to nowhere“, vermeint sich auf dem ultimativen Pfad ins Blaue und in eine strahlende Zukunft und an was denkt man? An den Patschen im Fahrrad, der seit Wochen geflickt gehört. An die tropfende, nein, fast schon munter fließende Klospülung, die repariert gehört. An die eine im Schritt geplatzte Hose, die man selbst sich nicht zutraut zu nähen, und sich gleichzeitig auch nicht getraut, jemanden damit zu beauftragen. Und an Intimrasur. Windige Gedanken, ich weiß. Aber woher bloß diese Scham? Schert sich eine Wolke, woher der Wind weht? Schert sich ein Schaf, wer es schert? Eben.
RKA # 7, am 8. März 2017

Montag, 6. März 2017

Tarndrohne

Wer schnaubt eigentlich das Wasser in Teiche? Badewannen sind ja Bedarfsteiche. Wer pflanzt Inseln in Seen? Vorgartenpools sind ja Privatbaggerseen. Wer schnallt den Schilfgürtel enger? Paravents sind ja Wohnzimmerverschilfung. Wer fragt hier eigentlich? Eigentlich ist ja eine sprachliche Unart und Unart gehört kultiviert. Wildwuchsförderungsgesuch genehmigt, Verbuschung avisiert, Schreibfluss ungehemmt absonderbar! Vertrackte Eklektizismusentladung einer Tarndrohne im Sinkflugmodus oder Scheinchimäre in gleisender Tümpelhaftigkeit? Böschung auf Abwegen oder Wuschelding mit submariner Sonarsondiertauglichkeit? Oberflächenabtastomat mit Fein- und Einfühlungsvermögen oder Streicheltraktor und Grundschürfer mit Beackerungsfunktion aufgesuppt zur Henkeltasse mit Behelfsschnabel? Vorgegockelt handgestrickte Grobmaschenlustigkeit oder vermittellose Seichtness? Zerrbildnerisch erzweckte Erziehungsmaßlosigkeiten oder kolportösige Fad-News-Depeschen? Ist Dackeldrüsenüberschuss mit Untauglichkeitsbravour und Dramensalat ohne Kürbiskernessenz abzumilchnern und abzuschlagsahnen oder vogelspinnt hier nur wer? Glänzt dahinschimmelndes Talent im Opferstock der Kleinmütigkeit? Ist was schimmervoll aber abgrundtief harmlos wie ein alkoholfreies Weizenbier an der Verschmerzbar? Oder ist das doch bloß eine Hochlandrindverschilfung?

Rohrköhlauer # 6, am 1. März 2017
ROHRKÖHLAUER-KONZEPT
Rohrköhlauer ist ein Dialog zwischen Fotografie und Literatur. Die Fotografin Claudia Rohrauer gibt das Bild und den Rhythmus vor, der Autor Markus Köhle liefert den dementsprechend kurzen oder langen Text – je nach Bildfrequenz: 1 Foto pro Woche = 7 Zeilen Text, 1 Foto pro Monat = 28-31 Zeilen, 1 Foto pro Jahr = 365 Zeilen, 2 Fotos pro Tag = 2 halbe Zeilen, etc.
Vorabsprache gibt es keine, Nachbesprechung beziehungsweise Kommentare erwünscht (an: koehle@backlab.at). Die Projektdauer ist auf 1 Jahr (2017) respektive maximal 365 Bild-Texte angelegt.

Dienstag, 14. Februar 2017

Lichtschnüre

Draußen gleißende Lichtschnüre, die sich abseilen und mir die Kehle zuziehen. Draußen vermutlich Tag, vermutlich Leben, draußen zu viel Licht für mich. Drinnen dunkel, drinnen ich. Dunkle Augenhöhlen und dunkle Stimmung, schwarzer Balken vor der Aussicht und der Zukunft. Drinnen ein schweres Kreuz, ich im Fadenkreuz, im Visier der Depression. Mir ist jedes Ziel zu viel. Ich bin schwach, schweigsam, nicht der Rede wert. Mich zwingt der Winter in die Knie, mich formt die Lethargie, das Licht kreuzigt, das Leben quert mich und weit und breit kein Ende in Sicht.
Rohrköhlauer # 5, am 14. Februar 2017



ROHRKÖHLAUER-KONZEPT

Rohrköhlauer ist ein Dialog zwischen Fotografie und Literatur. Die Fotografin Claudia Rohrauer gibt das Bild und den Rhythmus vor, der Autor Markus Köhle liefert den dementsprechend kurzen oder langen Text – je nach Bildfrequenz: 1 Foto pro Woche = 7 Zeilen Text, 1 Foto pro Monat = 28-31 Zeilen, 1 Foto pro Jahr = 365 Zeilen, 2 Fotos pro Tag = 2 halbe Zeilen, etc.

Vorabsprache gibt es keine, Nachbesprechung beziehungsweise Kommentare erwünscht (an: koehle@backlab.at). Die Projektdauer ist auf 1 Jahr (2017) respektive maximal 365 Bild-Texte angelegt.

Dienstag, 7. Februar 2017

Wellenteppich

Ich bin gespannt. Heute bin ich sehr gespannt und etwas algig. Heut hab ich zu halten, denn heute windet’s, wellt’s und gischt’s. Heut braucht mich der Wellenteppich. Er hat auch nur mich, mich alleine, alleine mich Leine. Mich Leine wird er niemals los. Wir gehören zusammen, das ist unser Los. Niemand ist gerne Leine, ich schon, ich bin nämlich kein Teppich! Ich bin eine Meerzweckleine, eine Wellenteppichleine. Als Leine bist du deine eigene Chefin. Als Leine hast du zu halten. Als Leine seilt dich niemand ab. Mein Wellenteppich und ich kommen klar. Ich geb ihm Spiel aber nicht zu viel, er mag’s, streng gehalten zu werden. Ich bin ihm mehr als Franse.
Rohrköhlauer # 4, am 7. Februar 2017


ROHRKÖHLAUER-KONZEPT
Rohrköhlauer ist ein Dialog zwischen Fotografie und Literatur. Die Fotografin Claudia Rohrauer gibt das Bild und den Rhythmus vor, der Autor Markus Köhle liefert den dementsprechend kurzen oder langen Text – je nach Bildfrequenz: 1 Foto pro Woche = 7 Zeilen Text, 1 Foto pro Monat = 28-31 Zeilen, 1 Foto pro Jahr = 365 Zeilen, 2 Fotos pro Tag = 2 halbe Zeilen, etc.
Vorabsprache gibt es keine, Nachbesprechung beziehungsweise Kommentare erwünscht (an: koehle@backlab.at). Die Projektdauer ist auf 1 Jahr (2017) respektive maximal 365 Bild-Texte angelegt.

Mittwoch, 1. Februar 2017

Schneewolf

Es gibt Schneewittchen und Schneehexen, Schneeweißchen und Schneerosenrot, Schneegeißlein und natürlich auch Schneewölfe.
Der Schneewolf ist ein Nacht- und Hüttentier. Hätte er besser verhüttet, wäre er längst ausgestorben. Domestizierte Schneewölfe nennt man Holzhüttenschneewölfe. Sie haben ein groß
es Maul aus Längs- und Querbalken, ihre Dachrand-Maulleiste ist gespickt mit zackigen Eiszapfenleitzinken, ihre Zunge ist schollenförmig, eingedepscht und ihr Gaumenzäpfchen ein frontal gelagerter Orientierungsknubbel. Holzhüttenschneewölfe sind wechtenaffin (Gibt’s auch Graupel-, Kraut- und Sandwechten?), ihre Welt ist, wie der Winter, schwarz-weiß und bitter für Beutetiere:
Sechs Geißlein bereits im Magen, eins noch unter der Zunge.
Der Frühling ist bunt, der Holzhüttenschneewolf aber ist schwarz-weiß und Blut in schwarz-weiß grau.
Rohrköhlauer # 3, am 31. Jänner 2017

Sonntag, 22. Januar 2017

Wolkenwerft

Rauchen schadet der Gesundheit, sagen sie. Sonne schadet der Haut, sagen sie. Wolken schaden dem Himmel, sagen sie. Löcher schaden der Erde, sagen sie.
Irgendwer sagt immer was. Irgendwas ist immer mehr oder weniger falsch.
Schlote sind auch nur Möchtegern-Wolken-Werfer. Straßen-laternen sind auch nur Möchtegern-Sonnen-auf-Stelzen. Hochhäuser sind auch nur das Negativ von Wohnhöhlen, Absperrböcke das Negativ von Springböcken und Autos sind die degenerierte Reinkarnation von Pferden mit Plastikkarosserie statt Fell und Auspuffgasen statt Pferdeäpfeln.
Rohrköhlauer # 2, am 22. Jänner 2017


ROHRKÖHLAUER-KONZEPT
Rohrköhlauer ist ein Dialog zwischen Fotografie und Literatur. Die Fotografin Claudia Rohrauer gibt das Bild und den Rhythmus vor, der Autor Markus Köhle liefert den dementsprechend kurzen oder langen Text – je nach Bildfrequenz: 1 Foto pro Woche = 7 Zeilen Text, 1 Foto pro Monat = 28-31 Zeilen, 1 Foto pro Jahr = 365 Zeilen, 2 Fotos pro Tag = 2 halbe Zeilen, etc.

Vorabsprache gibt es keine, Nachbesprechung beziehungsweise Kommentare erwünscht (an: koehle@backlab.at). Die Projektdauer ist auf 1 Jahr (2017) respektive maximal 365 Bild-Texte angelegt.

Dienstag, 17. Januar 2017

Morgenstern

Streitkeulen, wir haben uns entschieden, Streitkeulen zu werden. Wir hätten auch Palmwedel werden können. Aber Streitkeuelen schien unserem Naturell näher. Streitkeulengesellenbrief in der Tasche, Standing in der Szene vorhanden, Alleinstellungsmerkmale erarbeitet. Jetzt steht die Spezifizierung als Morgenstern an. Unser Großvater (der mit dem oben offenen Klobrillenbart, links; wir, mein Bruder und ich, Zwillinge, die mit dem Kinngrübchen-Adolf, rechts) unterstützt unseren Werdegang. Großvater machte in Öl, Palmöl. Man findet ihn und seinesgleichen in Snackriegeln, Fertiggerichten, Billigbiskuitrouladen die in aller Damen und Herren Länder in aller Munde und Mäuler sind.
Mittlerweile ist Großvater pensionierter Palmölianer, quasi ein Postpalmölmagnat und sähe seinen Palmenkelnachwuchs natürlich gerne als Morgensterne auf- und dastehen. Großvater schaute auf uns, Vater haute uns. Wir nannten unseren Großvater immer Palmöli, wir nannten unseren Vater immer Im-Öli. Großvater machte alles zu Geld. Vater trank alles und ging bereits unter, als wir noch topfpflanzenklein waren. Das Leben ist grausam, predigte Palmöli. Süßes und Saures regieren die Welt: Schokoriegel und Waffeln, Palmöl und Napalm. Ihr habt es im Stamm, euch für das Richtige zu entscheiden. Palmöli psalmierte gern. Palmöli hatte aber auch seinen Christian Morgenstern intus und wusste: Ist die Kokosnuss im Butter / Rinnt der Tran des Wals im Kutter / Und dein Sein / schifft sich ein

Rohrköhlauer #1, am 16. Jänner 2017


ROHRKÖHLAUER-KONZEPT
Rohrköhlauer ist ein Dialog zwischen Fotografie und Literatur. Die Fotografin Claudia Rohrauer gibt das Bild und den Rhythmus vor, der Autor Markus Köhle liefert den dementsprechend kurzen oder langen Text – je nach Bildfrequenz: 1 Foto pro Woche = 7 Zeilen Text, 1 Foto pro Monat = 28-31 Zeilen, 1 Foto pro Jahr = 365 Zeilen, 2 Fotos pro Tag = 2 halbe Zeilen, etc.

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